22.06.2011

Auferstanden aus Ruinen - Hurricane 2011 im Fazit

The Kills
Jaja das Wetter. Fürchterlich und so. Aber auch egal, mir zumindest schon immer gewesen. Das taugt nicht einmal an guten Tagen für erquickliche Konversation. Meine Meinung.

Darüber will ich also nicht reden. Außer vielleicht betonen, dass der sonntägliche Dauerregen mir irgendwie angenehm war. Der passte zu meiner Stimmung: irgendwie ein bisschen getragen, sehr erschöpft, demütig. Wiederkehrend energetischere Ausbrüche, zwischenzeitliche Ruhe und fast schon besonnen.

Ich will über verflucht großartige Emotionen reden. Über Tanzbeine, geschlossene Augen, Halbtrance und Sich-verstanden-Fühlen. Über das, was Musik, was ein Festival meiner Meinung nach so einzigartig macht. Vielleicht bin ich da etwas romantisch angehaucht, grundsätzlich kann ich dem Selbstzerstörungswillen, der gerade bei Festivals im Stile von Rock am Ring oder eben dem Hurricane immer mitschwingt (Wer die Gelegenheit hat, flaniere doch einmal Sonntag nachmittags durch die hinterlassenen Zeltruinen) ja ordentlich was abgewinnen. Wenn ich an geschätzt 30 Liter Wassern in Schuhen, Hosen und Jacken denke, dann ist das für mich nicht per se ein negativer Gedanke. Er kann sogar passen, wenn währenddessen […] spielen. Im Mindestfall hat man eine nachhaltigere Erinnerung an das, was man unter freiem Himmel erlebt hat.

Trentemoeller
Wobei ja freier Himmel auch irgendwie gelogen ist. Schließlich fanden Darwin Deez, The Kills, Trentemoller, Bright Eyes, I Blame Coco und Lykke Li allesamt in Zelten statt. Insbesondere an Tag zwei und drei konnte man sich die Green Stage, also die Hauptbühne, einfach nicht geben. Teils, weil da so altverdiente musikalische Irrtümer wie Sublime With Rome Reggae mit Punk zu kreuzen versuchten, teils, weil da halt die Hurricane-Headliner auftraten. Bands, die mir so egal sind, dass es schon schmerzt. In persona Incubus und die Foo Fighters. Diese eigentlich unangreifbaren Klassiker des Alternative Rock habe ich nie verstanden. Manche werden das jetzt schändlich finden, ich finde das in Ordnung. So blieb mir eben mehr Zeit, meine etwas angestaubte Liebe zur minimalistisch-elektronischen Musik anhand von Trentemoeller auffrischen zu lassen und mir von meinen Kollegen anzuhören, dass dieser fabelhafte, das Gehirn wegpustende und das Herz offenlegemde Bright-Eyes-Auftritt nicht an vergangene Konzerterlebnisse heranreicht. Was ich dann allerdings, wie ihr gerade gelesen habt, in meiner persönlichen Wertung geflissentlich ignorierte. Einfach aus dem Grund, weil ich da nicht rational argumentieren kann und will. Das führt jetzt diesen Text ein wenig ad absurdum, denn über Musik zu schreiben ist selbstverständlich ein unzureichendes Mittel, um zu beschreiben, was Musik auslöst. Insofern ist vielleicht auch Musikkritik letztendlich Schwachsinn, keine Ahnung.

Ehe ich mich hier jetzt endgültig in einer amateurhaften Metadiskussion mit mir selber verzettele, kommen wir zum Fazit: Das Hurricane ist nicht mein Festival. Punkt. Die Hälfte des Line-Ups ist meines Erachtens (bezogen auf meinen Geschmack) Schrott, die andere Hälfte kann dann noch so grandios sein, so richtig passen tut es nicht. Es wirkt zusammengeschustert. Indiegirlies treffen auf Proleten treffen auf Hardrocker und irgendwann ist das alles nur noch disharmonisch, stört sich gegenseitig. Da sind mir Festivals aus einem Guss dann schon lieber, ich denke da natürlich ans Melt, aber auf der Fusion oder dem Wacken Open Air ist das ja ähnlich. Dementsprechend freue ich mich darauf, in nicht mal einem Monat gen Ferropolis zu fahren. Da werden Bands wie Portishead vielleicht niemals aufschlagen, und für die muss dann weiterhin nach Scheeßel gereist werden. Aber ich werde mich wesentlich wohler fühlen. Gleich und gleich gesellt sich gern. Bla.

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Update 11-06-27:
Eine Idee, die wie ich finde unbedingt weiterverfolgt werden sollte, hat Katrin Bpunkt auf dem Hurricane in die Tat umgesetzt. Und zwar lichtete sie Schuhe der unterschiedlichsten Festivalbesucher ab und ließ sie dann ihre Lieblingsband verraten. Herausgekommen ist ein "Zeig mir deine Schuhe, und ich verrate dir, was du hörst"-Ratespiel. Ein Spiel, das nach einer Fortsetzung verlangt (allein schon weil wetterbedingt 3/4 der abgelichteten Menschen quietschbunte Gummistiefel anhaben und es deshalb quasi unmöglich ist, richtig zu raten).
 

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